Gallimarkt – wie aus einem Kram- und Viehmarkt ein Volksfest wurde

Den Gallimarkt in Leer kennen nicht nur Ostfriesen. Jedes Jahr kommen rund 500 000 Besucher in die kleine Stadt an der Leda und feiern die fünfte Jahreszeit der Ostfriesen. Auch die Niederländer wissen die Grenznähe zu schätzen und sind gern gesehene Gäste in Leer.

Den Gallimarkt gibt es seit 1508. In dem Jahr bekam das kleine Örtchen Leer das Marktrecht durch Graf Edzard dem Großen verliehen – die Voraussetzung, um Handel treiben zu dürfen. Der Markttag wurde auf St. Gallus (16. Oktober) gelegt, und das war kein Zufallsdatum. Bis zu dem Tag war die Ernte eingebracht, die Tiere im Stall. So hatten die Händler und auch die Menschen Zeit, in die Stadt zu kommen. Das sollte aber nicht so bleiben, denn 1820 verlegte man den Termin auf den Mittwoch nach St. Gallus. An der Kaakspütte, die sich vor dem heutigen Borromäus-Hospital befindet, wurde dann bis 1570 der Markt abgehalten. Da mit der Zeit die Schifffahrt durch die Nähe der Leda immer wichtiger wurde, verlegte man den Gallimarkt an die heutige Waage, wo bis 1905 der Handel betrieben wurde. In manchen Jahren nutzte man den Denkmalsplatz ebenfalls, um mehr Platz zu bekommen, und das war sicher einer der Gründe, warum man sich schließlich auf die Große Bleiche als Marktplatz festlegte. Inzwischen wurde der Gallimarkt nicht mehr nur an einem, sondern an vier Tagen abgehalten. Auch das Erscheinungsbild war bereits ein anderes. 1820 wurden bereits Kram- und Viehmarkt getrennt, und Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Verwandlung zum Volksfest, als 1860 das erste Karussell seinen Platz auf der Großen Bleiche bekam. Das war das Ende des Krammarktes und der Beginn eines Volksfestes, das bis heute nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat.

Die Herolde traten erstmals 1907 auf. Anlass war ein großer Festumzug zur vierhundertsten Wiederkehr des Gallimarktes. Noch heute ruft der erste Herold seinen Spruch bei der Eröffnung auf der Rathaustreppe:

 

Radeau, Radeau, raditjes doe,
de Stadt, de hört de König toe,
radeau, radeau raditjes dum!
De Börgmester led vebeden,
dat nüms mag kopen of verkopen
bevör de Klocke negen sleit,
bi Verlüß van Goderen
un all wat over tein Pund weggt,
is na de Waage to brengen,
un darnaa dree Daag free Markt!

 

Auch wenn es seit 1952 fünf Markttage sind, geändert wurde der Spruch nicht. In der letzten Zeile werden immer noch drei freie Markttage angekündigt, die einst im Anschluss an dem Handelstag stattfanden, insgesamt also vier Tage.

Der Viehmarkt ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Gallimarktes und findet am Morgen des Eröffnungstages statt. Am vorherigen Abend startet der Viehauftrieb, was für viele Leeraner den eigentlichen Auftakt zur fünften Jahreszeit bedeutet. Der Gallimarkt beginnt übrigens nicht immer an einem bestimmten Datum, sondern immer am zweiten Mittwoch im Oktober. In diesem Jahr findet das ultimative Volksfest der Ostfriesen vom 10. bis 14. Oktober statt.

Die Planungen für den Gallimarkt 2018 laufen derzeit auf Hochtouren, und sobald die Beschickung feststeht, werden wir natürlich direkt darüber berichten. (HM)

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